Bergbau in Tal der Flöha
Im Tal der Flöha zwischen Pockau und Neuhausen/Erzgebirge blickt der Bergbau auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Die Landschaft des Erzgebirges ist reich an Bodenschätzen. Schon seit dem Mittelalter suchten Bergleute hier nach Silber, Zinn und Eisen. Mit Hacke, Schlägel und Eisen trieben sie Stollen tief in den Berg, während entlang der Flöha Hüttenwerke entstanden, in denen die geförderten Erze weiterverarbeitet wurden. Der Bergbau prägte das Leben der Menschen, ließ Orte wachsen und formte die Kulturlandschaft, deren Spuren noch heute in Halden, Stollen und alten Bergwerksanlagen sichtbar sind.
Auch wenn der aktive Erzabbau im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts allmählich endete, ist die Bergbautradition bis heute lebendig. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der Bergbauverein Olbernhau e.V.. Mit großem ehrenamtlichem Engagement betreibt der Verein das Schaubergwerk Gnade Gottes Erbstollen. Besucher können dort unter Tage erleben, wie beschwerlich und zugleich faszinierend die Arbeit der Bergleute einst war. Hier macht sich auf Grund des ehrenamtlichen Charakters der Bergbauanlage eine Anmeldung erforderlich, da sich die Mitglieder nur am Wochenende aktiv engagieren können.
Über Tage widmet sich der Verein außerdem, dem Erlebnismuseum Olbernhauer Hutzenstübl. In gemütlicher Atmosphäre wird hier traditionelles erzgebirgisches Handwerk vorgestellt – vom Drechseln bis zu anderen historischen Techniken der Region. Gleichzeitig schlägt das Museum eine Brücke in die Gegenwart: Ein Makerspace lädt zum eigenen Ausprobieren und kreativen Arbeiten ein. Dort werden moderne Techniken wie 3D-Druck und Lasercutting genutzt und mit traditionellem Handwerk verbunden. Als Teil der Verbund Offene Werkstätten Deutschland versteht sich das Hutzenstübl auch als Ort des gemeinsamen Lernens und Experimentierens. Zugleich ist es als Akteur der UNESCO Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) anerkannt. Für sein besonderes Engagement wurde das Hutzenstübl zudem zu den Tourismushelden 2025 gezählt. Eine Galerie im Haus bietet darüber hinaus Raum für regionale Kunst und kulturelle Begegnungen.
Die Arbeit des Vereins steht zugleich im Zusammenhang mit der international anerkannten Bergbaugeschichte des Erzgebirges. Die Region gehört zur Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, deren einzigartige Zeugnisse des Bergbaus bewahrt und vermittelt werden. Ergänzend dazu zeigt das historische Ensemble des Buntmetallurgie „Museum Saigerhütte“ der Stadt Olbernhau eindrucksvoll die enge Verbindung zwischen Bergbau, Hüttenwesen und dem Leben der Menschen im Flöhatal. So bleibt die reiche montane Tradition dieser Region bis heute anschaulich und erlebbar. ⚒️
Bergbaubegriffe leicht erklärt für Nichtbergleute:
Abbau: Allgemein wird darunter das Gewinnen von Bodenschätzen verstanden. Im eigentlichen Sinne wird der Standort, an dem der Bergmann Erz und taubes Gestein aus dem Felsverbund herausbricht, als Abbau bezeichnet
Arschleder: Im hochdeutschen Sprachgebrauch als Hinterleder genannt. Ein schürzenartig nach hinten gebundenes Leder, das dass Gesäß des Bergmannes bei der Arbeit schützte. Es wurde auch als Standessymbol getragen
Aufbereitung: Abläufe in denen das geförderte Erz, gemeint ist Roherz, für die Verhüttung in der Schmelzhütte vorbereitet/aufbereitet wird: 1. grobes trennen des Erzes vom tauben Gestein - scheiden genannt 2. zerkleinern zu einem feinkörnigen Gemisch von Erz und Gestein, 3. auswaschen des Erzes
Ausbau: Sicherung der Grubenbaue (Hohlräume) gegen Gebirgsdruck und Gesteinsfall
Bergamt: Behörde zur Verwaltung eines Bergreviers, der auch die technische Überwachung der Gruben und Hütten oblag. Mitglieder eines Bergamtes waren: Bergmeister, Berggeschworene, Bergschreiber, Zehntner und Einfahrer sowie Obereinfahrer, Oberstollenfaktor und Oberkunstmeister
Berge: nicht erzhaltiges Gestein, taubes Gestein
Berghabit: Arbeitskleidung des Bergmannes
Bergregal: Anspruch des deutschen Königs auf den zehnten Teil aller gewonnenen Edelmetalle einschließlich des Salzes
Bergrevier: Verwaltungsbezirk eines Bergamtes
Binge: Auf dem Bergbau zurückführende Geländeeinbrüche. Die bekanntesten Bingen sind die von Altenberg und die von Geyer
Erz: Metallhaltige Minerale oder Mineralgemenge
Erzgang: Mit metallhaltigen Erz und anderen Mineralien ausgefüllte Gesteinsspalte
fahren: Ausdruck für die Fortbewegung des Bergmanns (laufen, klettern, kriechen, selbst Grubenbahn)
Fahrt: Bergmännische Bezeichnung für eine Leiter
Firste: Die Decke (obere Begrenzung) eines Grubenbaus
Förderung: Jeglicher Transport von Erz usw.
Gebirge: Das den Grubenbau (Stollen, Strecke, Abbau) umgebende Gestein
Geleucht: Die vom Bergmann unter Tage verwendeten Lichtquellen (Kienspan, Schalenlampe, Froschlampe, Talkkerze, Karbidlampe etc.)
Gezäh: Sammelbegriff für das Werkzeug des Bergmanns (Schlägel und Eisen etc.)
Glück Auf: Gruß der Bergleute
Göpel: Förderanlage
Grubenbau: Durch bergmännische Arbeit geschaffene Hohlräume (Stollen, Strecke, Schacht etc.)
Halde: gefördertes taubes Gestein, was in der Nähe des Schachtes als künstlicher Berg aufgehäuft wurde
Handhaspel: Handbetriebene Fördermaschine für Schächte bis 40m Tiefe
Hauer: Bergmann der im Abbau arbeitet
Hunt: Förderwagen für den Erz und Materialtransport
Huthaus: Auf oder neben der Halden errichtetes ein- bis zweigeschossiges Gebäude
Kaue: Schutzbau der Hängebank bei Handhaspelschächten, Die Kauen wurden als einfacher Holzschuppen mit üblichen Schrägdach oder in Form eines auf der Halde aufsitzendem Satteldach errichtet
Knappschaft: Zusammenschluss der Bergleute z.b. nach Glaubensrichtungen, bzw.
Kunstgraben: Mit geringen Gefälle angelegter Graben, in dem Wasser zum Betreiben von Bergwerksmaschinen heran- oder abgeleitet wurde.
Lichtloch: Hilfsschächte
Schacht: Senkrecht bis schräg verlaufender ausgebauter Grubenbau, der die einzelnen Sohlen miteinander verbindet.
Schlägel und Eisen: Ältestes bergmännisches Werkzeug und bekanntestes bergbauliches Symbol
schürfen: Unter schürfen wird das Auffinden von Erzvorkommen verstanden
Seifenbergbau: Aus erdoberflächennahen Erzlagerstätten in mehreren Millionen von Jahren herausgewitterte Minerale setzten sich im Geröll von Bächen und Flüssen ab
Stollen: Vom Talhang überwiegend waagerecht in den Berg getriebener Grubenbau
Stollenmundloch: Der Eingang des Stollens wird als Mundloch bezeichnet. Es ist meist in Bruchsteinmauerung ausgeführt und häufig als Rundbogen gestaltet
Strecke: Unter Tage vorgetriebener horizontaler Grubenbau zur Förderung, Fahrung Bewetterung usw.
teufen: Anlegen eines in die Tiefe gerichteten Grubenbaues
Versatz: Taubes Gestein, mit dem nicht mehr benötigte Grubenbaue verfüllt wurden
Wetter: Als Wetter bezeichnet man die Luft in den Gruben (Frische Wetter, Abwetter, giftige Wetter, explosive Wetter)

